Handelsgastronomie

EHI-Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2022“

Die Handelsgastronomie hat unter den Restriktionen der Covid-19-Pandemie stark gelitten, ist aber seit der Aufhebung der Einschränkungen auf einem guten Weg, sich zu erholen. Die Händler erwarten in diesem Jahr ein Plus von rund 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, allerdings noch etwa 10 Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau von 2019, so eines der Ergebnisse der EHI-Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2022“. Nach zwei schwierigen Jahren steht die Branche weiterhin vor großen Herausforderungen. Steigende Energie- und Rohstoffpreise infolge des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie stellen die größten Hürden dar.

Wachsender Markt

Bis zum Jahr 2019 profitierte die Handelsgastronomie als Teil des Außer-Haus-Marktes von der positiven Entwicklung des Gesamtmarktes und erreichte ein Umsatzvolumen von rund 10 Milliarden Euro. Mit der Covid-19-Pandemie waren die gastronomischen Einrichtungen des Handels von den phasenweisen Schließungen bzw. Einschränkungen stark betroffen. Im ersten Corona-Jahr 2020 erzielten die Handelsgastronomen einen Umsatz von 7,55 Milliarden Euro und damit 24,5 Prozent weniger als im Vorjahr 2019 erzielt. Der Umsatz stabilisierte sich im Folgejahr 2021 und erreichte mit 7,72 Milliarden Euro ein leichtes Plus. Die Handelsgastronomie konnte ihren Marktanteil von 13,5 Prozent im Jahr 2019 auf 14,7 Prozent im Jahr 2020 und auf 15 Prozent 2021 ausbauen. Für das Jahr 2022 sind die im Rahmen der EHI-Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2022“ befragten Händler optimistisch gestimmt und rechnen mit einem Gesamtumsatz von knapp 9 Milliarden Euro.

Veränderungen des Konsumverhaltens

In den zwei Pandemiejahren veränderte sich das Verhalten der Konsumierenden, die sich vermehrt zu Hause versorgten und für das Homeoffice verstärkt zu Convenience- und To-go-Produkten griffen. In 84 Prozent der Filialen haben die Händler ihre Food-Konzepte überdacht und an die Pandemie-Situation sowie das veränderte Konsumverhalten angepasst. Dazu gehören neben der Vereinfachung der Speisen, der Ausbau der Take-away- und Convenience-To-go-Angebote, ein stärkerer Fokus auf Kombi-Gerichte, ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Angeboten und die Berücksichtigung von Trendspeisen. Dass die Kundschaft zuletzt verstärkt Speisen zur Mitnahme und To-go-Convenience gekauft hat und weniger vor Ort die höherpreisigen Restaurant- und Café-Angebote nutzte, zeigt sich auch beim Durchschnittsbon. Dieser liegt bei 4,92 Euro für Einkäufe in der Handelsgastronomie.

Neue Herausforderung: steigende Energie- und Rohstoffpreise

Die Erfolgsfaktoren in der Handelsgastronomie liegen den Händlern zufolge in den Bereichen Kundenorientierung, Prozessoptimierung und Produktqualität. Die Lage (82 Prozent), das gute Preis-Leistungs-Verhältnis (77 Prozent) sowie qualitativ hochwertige Zutaten, frische Produkte und die Nähe zur Kundschaft (je 68 Prozent) versprechen ihrer Ansicht nach den größten Erfolg. Allerdings steht die Branche weiterhin vor großen Herausforderungen. Steigende Energie- und Rohstoffpreise (77 bzw. 68 Prozent) stellen die größten Hürden dar. Sie tauchen vor dem Hintergrund der aktuellen Kriegssituation erstmalig im Ranking auf.

Ziele der Handelsgastronomen verschieben sich

Während in der Befragung vor zwei Jahren die Ziele Umsatzsteigerung und Gewinnerhöhung im Ranking sehr präsent waren, wollen die befragten Händler in der aktuellen Situation mit einem gastronomischen Angebot vor allem die Frequenz in ihren Filialen steigern, Kundinnen bzw. Kunden gewinnen und diese an sich binden. Wer eine Gastronomie besitzt, verbindet damit auch den Zweck, sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Gleichzeitig sollen Handel und Gastronomie als ganzheitliches Konzept funktionieren, zur Imagesteigerung und einer erhöhten Verweildauer der Kund:innen beitragen.

Damit das gelingt, sollte die Kontrolle über Food-Konzept, Qualität, Sauberkeit, Service, Wertschöpfung und das eingesetzte Personal beim Handel liegen. In 72 Prozent der Filialen wird die Gastronomie deshalb auch in Eigenregie geführt. Die Planungen im Lebensmitteleinzelhandel gehen noch weiter. Die Händler sehen für ihre Branche in der Gastronomie die Chance, Lebensmittelkompetenz zu zeigen und dadurch auch ein positives Image für ihre Handelsstandorte zu erreichen. 27,3 Prozent der Lebensmitteleinzelhändler wollen in Zukunft auf der Fläche mehr Eigenregie, lediglich 18,2 Prozent streben stärker gastronomische Fremdleistungen an.

Definition:

Handelsgastronomie ist das kontinuierliche Angebot von gastronomischer Leistung sowie von Getränken und verzehrfertig zubereiteten Speisen, die im direkten oder konzeptionellen Zusammenhang mit Handelsaktivitäten stehen.

Datenbasis:

Die EHI-Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2022“ basiert auf Interviews mit Verantwortlichen der Handelsgastronomie der deutschen Handelsfilialisten sowie mit mittelständischen Unternehmern. Die befragten deutschen Handelsunternehmen (ohne Tankstellen) erwirtschafteten 2021 einen Nettoumsatz von ca. 125 Mrd. Euro. Insgesamt beteiligten sich an der Studie 22 filialisierte deutsche Handels- und Tankstellenkonzerne. Die befragten Unternehmen repräsentieren über 18.200 handelsgastronomische Geschäfte und Verkaufsstellen. Somit bildet die Studie den definierten Markt bezogen auf die handelsgastronomisch bedeutsamen Standorte zu 47 Prozent ab.

Das EHI Retail Institute hat die Initiative Handelsgastronomie ins Leben gerufen, um dem deutschsprachigen Handel eine neutrale Plattform mit umfassenden Informationen zum Thema Handelsgastronomie bereitzustellen. Details finden Sie auf der Website der Initiative unter: https://www.handelsgastronomie.de/.

Handelsgastronomie-Kongress

Weitere Ergebnisse der Studie werden im Rahmen des EHI Handelsgastronomie Kongress am 21. und 22. September 2022 in Frankfurt vorgestellt.

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