Passantenfrequenzen

Die Messzahl der Passantenfrequenz ist in der Einzelhandelsforschung ein beliebter Indikator, um die Attraktivität eines Einzelhandelsstandorts zu bemessen. Dabei handelt es sich um eine Größe, die Auskunft darüber gibt, wie viele Passanten einen stationären Standort, wie z.B. eine Einkaufsstraße oder ein Shopping-Center, innerhalb eines abgegrenzten Zeitraums betreten haben. Die gemessene Zahl erlaubt Vergleiche verschiedener Einzelhandelslagen sowie eine Betrachtung von Veränderungen im Zeitverlauf. Insbesondere in Zeiten der Corona-Krise und einem stark wachsenden E-Commerce-Markt lohnt eine genauere Betrachtung der Entwicklung der Passantenfrequenzen in den Einkaufsstraßen der Innenstadtlagen.

Passantenfrequenzen während der Corona-Pandemie

Eine aktuelle Analyse des EHI Retail Institute betrachtet die Entwicklung der einzelhandelsrelevanten Passantenfrequenzen (gemessen zwischen 10 und 20 Uhr) ausgewählter Top-Shoppingmeilen in Deutschland während der Corona-Krise. Im Monatsvergleich lässt sich genau beobachten, wie sich mit dem Pandemieverlauf und den Corona-Schutzmaßnahmen im Einzelhandel zur Eindämmung der Ausbreitung von Covid-19 die Besucherzahlen in den Einkaufsmeilen veränderten. Im Januar 2020 passierten die Münchner Kaufingerstraße im Durchschnitt noch 6.832 Menschen pro Stunde. Mit dem ersten Lockdown und weitreichenden Geschäftsschließungen im Einzelhandel sank die Zahl der Passant:innen im April 2020 mit 823 Menschen pro Stunde auf einen vorläufigen Tiefpunkt. Sinkende Corona-Infektionszahlen und folgende Lockerungen der Maßnahmen ließen die handelsrelevanten Passantenfrequenzen im Sommer wieder steigen, im August 2020 auf 5.772 pro StundeIm Herbst nahmen die Corona-Infektionszahlen wieder zu. Aufgrund rasant steigender Fallzahlen wurden ab November die erhobenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verschärft und ab dem 16. Dezember 2020 folgte ein neuer harter Lockdown, der abermals den Einzelhandel und die Kundenströme in den Einkaufsstraßen merklich negativ beeinflusste. Im Januar 2021 sank die Fußgängerzahl in der Kaufingerstraße auf 652 Menschen pro Stunde. Ab Mai 2021 sanken die Corona-Infektionszahlen, sodass auch im Einzelhandel wieder Maßnahmen zurückgenommen wurden und die Passantenfrequenzen wieder deutlich anstiegen. Im Juni 2021 lag die Zahl der Passant:innen in der Münchner Einkaufsstraße dennoch bei erst 52 Prozent des Niveaus des Jahresdurchschnitts 2019. Im Westenhellweg in Dortmund lag die Besucherzahl hingegen schon wieder bei 90 Prozent des Mittels aus dem Vorkrisenjahr.

Besucherzahlen im 2. Quartal 2021 bleiben hinter Vorjahr zurück 

In einer quartalsweisen Betrachtung zeigt sich, dass im 2. Quartal 2021 (April bis Juni) die Passantenfrequenzen merklich unter denen des Vorjahresquartals zurück blieben. Im Durchschnitt der betrachteten Einkaufsstraßen lagen diese rund 14 Prozent unterhalb des Zeitraums April bis Juni 2020. In der Schildergasse in Köln ging die Passantenfrequenz je Stunde im 2. Quartal sogar um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurück. Das ist bemerkenswert insofern, als dass das 1. Quartal 2020 im April mitten in den ersten Lockdown der Corona-Pandemie in Deutschland fiel. Es zeigt sich jedoch, dass sich die Passantenströme ab Anfang Mai bereits wieder zunahmen, da die Geschäfte wieder öffnen durften. Im Jahr 2021 zeigte sich im stationären Einzelhandel in den Innenstädten erst ab Juni eine merkliche Erholung der Passantenfrequenzen.

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