
Erklärtext
Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wuchs im Jahr 2025 um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 217,8 Milliarden Euro. Supermärkte und große Supermärkte legen deutlich zu, während Lebensmitteldiscounter moderat wachsen und SB-Warenhäuser Umsatz verlieren.
In den vergangenen Jahren prägten viele Krisen das Einkaufsverhalten der Verbraucher:innen in Deutschland. Mit der Coronapandemie, dem Ukrainekrieg, der Energie- und Lebensmittelpreiskrise haben sich die Kräfteverhältnisse zwischen Discountern und Vollsortimentern immer wieder verschoben. Im vergangenen Jahr gewannen Supermärkte und große Supermärkte Umsatz und Marktanteile zurück. Die Lebensmitteldiscounter blieben mit über 100 Milliarden Euro jedoch die umsatzstärkste Betriebsform.
Verschiebung der Lebensmittelkäufe während der Pandemie
Im Jahr 2019 erzielte der Lebensmitteleinzelhandel einen Nettoumsatz von 168,2 Milliarden Euro. Im ersten Pandemiejahr 2020 stieg der LEH-Umsatz auf 182,2 Milliarden kräftig. Gastronomieschließungen und veränderte Alltagsroutinen verlagerten den Großteil der Lebensmittelkäufe in die Haushalte. 2021 flachte die Entwicklung mit 184,4 Milliarden Euro ab. Während der Pandemie kauften Verbraucher:innen seltener ein, steuerten dafür gezielt größere Märkte an und legten stärker Wert auf Qualität, Frische und Sortimentsvielfalt. Davon profitierten vor allem Supermärkte und große Supermärkte; Discounter verloren Marktanteile.
Preiskrise stärkt Position der Discounter
Mit dem Ausbruch des Ukrainekriegs im Jahr 2022 änderte sich die Entwicklung. Energie- und Lebensmittelpreise stiegen deutlich. Die Preissensibilität der Verbraucher:innen nahm zu. Der LEH-Gesamtumsatz erhöhte sich von 195,0 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 209,7 Milliarden Euro im Jahr 2024. Das Wachstum war in dieser Phase vor allem preisgetrieben. Lebensmitteldiscounter profitierten von ihrer Preisposition und bauten ihren Umsatz von 88,5 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 97,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 aus. Viele Haushalte wechselten in dieser Hochinflationsphase zu Betriebsformen mit günstigeren Produkten und griffen häufiger zu Handelsmarken.
Supermärkte wachsen 2025 deutlich stärker als Discounter
Im Jahr 2025 wuchs der LEH-Markt nominal um 3,8 Prozent, allerdings mit einer veränderten Dynamik. Supermärkte steigerten ihren Umsatz um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, große Supermärkte um 7,1 Prozent. Beide Betriebsformen erreichten damit die höchsten Wachstumsraten seit dem Beginn der Coronapandemie im Jahr 2020. Die Discounter wuchsen um 2,7 Prozent auf 100,4 Milliarden Euro und damit so schwach seit 2021 nicht mehr. SB-Warenhäuser waren die einzige Betriebsform mit einem Rückgang. Ihr Umsatz sank um 2,6 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro. Seit der Auflösung der Real-SB-Warenhäuser im Jahr 2022 sind die Gesamtumsätze dieser Betriebsform eher rückläufig. Der Umsatz der kleinen Lebensmittelgeschäfte blieb 2025 mit 4,6 Milliarden Euro stabil.
Marktanteile verschieben sich zugunsten der Vollsortimenter
Auch bei den Marktanteilen zeigte sich 2025 eine Trendwende: Der Anteil der Discounter sank von 46,6 Prozent im Jahr 2024 auf 46,1 Prozent im Jahr 2025, während Supermärkte ihren Anteil von 31,4 auf 32,2 Prozent und große Supermärkte von 10,7 auf 11,0 Prozent ausbauten. Zusammen gewannen beide Vollsortimenter-Betriebsformen damit rund 1,1 Prozentpunkte zurück. Mit der nachlassenden Inflation rückte neben dem Preis wieder die Qualität in den Mittelpunkt. Breitere Sortimente, Frischeabteilungen und gastronomische Angebote stärkten die Position der Supermärkte.
Die Entwicklung im Jahr 2025 spricht für eine vorsichtige Normalisierung des Einkaufsverhaltens, nicht für eine Rückkehr zu den Bedingungen vor der Preiskrise. Für 2026 ist angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten im Zuge des Irankrieges und der hohen Sparneigung der Verbraucher:innen weiterhin mit Zurückhaltung bei den Mengen zu erwarten.
Weitere Informationen zur Entwicklung des deutschen Lebensmitteleinzelhandels im Jahr 2025 finden Sie in unserem Dossier, das eine ausführliche Übersicht über die Struktur- und Leistungskennzahlen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels bietet. Zudem umfasst es einen Überblick über die wichtigsten Händler sowie Auszüge aus der empirischen EHI-Forschung zur Branche.





