
Erklärtext
Der deutsche Bio-Fachhandel befindet sich in einer Phase der Konsolidierung. Während die Marktführer ihre Positionen weitgehend halten, zeigen sich bei kleineren und mittelgroßen Ketten Verschiebungen und Veränderungen: strategische Kooperationen, innovative Konzepte wie Shop-in-Shop-Systeme sowie Generationswechsel in Familienunternehmen. Unsere Infografik wirft einen Blick auf die Strukturveränderungen bei den Top-10-Bio-Supermarktketten in Deutschland.
Marktführer setzen auf Expansion und Immobilieneigentum
Mit 375 Filialen behauptet Denns Biomarkt seinen komfortablen Vorsprung als unangefochtener Marktführer. Die zur oberfränkischen Dennree-Gruppe gehörende Bio-Supermarktkette betreibt mehr als doppelt so viele Filialen wie die zweitplatzierte Kette Alnatura mit aktuell 156 Standorten. Künftig will Dennree verstärkt Immobilien gut laufender Standorte kaufen. Derzeit prüft das Unternehmen, welche Standorte für Investitionen in Immobilieneigentum infrage kommen.
Alnatura konnte im vergangenen Jahr sein Filialnetz um drei Standorte erweitern und damit seine Expansionsstrategie fortsetzen. Im Januar 2026 eröffnete das Unternehmen in Tübingen den mit über 1.200 Quadratmetern bislang größten Super Natur Markt. Der neue Standort in der Tübinger Straße ersetzt den Markt in der Hügelstraße und ist ca. 500 Quadratmeter größer. Rund 6.000 Bio-Produkte stehen dort zur Auswahl, darunter zahlreiche Erzeugnisse aus Tübingen und der Region.
Alnatura setzt konsequent auf Wachstum durch Investitionen: Das neue 30.000 Quadratmeter große Logistikzentrum im südhessischen Groß-Rohrheim, das im Sommer 2026 in Betrieb geht, soll die bundesweite Belieferung der eigenen Märkte optimieren. Das Geschäftsjahr 2024/2025 schloss das Unternehmen mit einem Umsatzplus von 6,6 Prozent auf rund 1,27 Milliarden Euro ab. Die stärkste Präsenz zeigt Alnatura weiterhin in Baden-Württemberg mit 37 Standorten, gefolgt von Bayern (24), Hessen (21), Nordrhein-Westfalen (20) und Berlin (19).
Strategische Allianz: Bio Company und Terra Naturkost bündeln ihre Kräfte
Den dritten Platz belegt Bio Company mit aktuell 59 Filialen, dies entspricht einem leichten Rückgang um zwei Standorte gegenüber dem Vorjahr. Im Januar 2026 verkündete das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem Berliner Bio-Großhändler Terra Naturkost.
Beide Unternehmen bleiben im Tagesgeschäft eigenständig, planen aber eine gemeinsame Dachgesellschaft für die strategische Ausrichtung. Die Kooperation zwischen der drittgrößten Bio-Supermarktkette und dem nach eigenen Angaben drittgrößten Bio-Großhändler zielt auf Synergien entlang der gesamten Wertschöpfungskette: effizientere Warenbeschaffung, CO₂-reduzierte Logistik und eine gestärkte Position für Bio-Produzenten in der Metropolregion Berlin-Brandenburg und im Nordosten Deutschlands.
Innovation im Sortiment: Bio Company testet Shop-in-Shop-Konzept
Neben der strategischen Partnerschaft setzt Bio Company auch auf Sortimentsinnovation: Im April 2025 führte die Berliner Kette erstmals ein Shop-in-Shop-System ein. Partner ist das Unternehmen Grüne Erde, das sich auf ökologisch-nachhaltig und sozial-fair produzierte Produkte spezialisiert hat – von Natur- und Heimtextilien über Wohnaccessoires und Möbel bis hin zu Naturmatratzen und Kleidung. Ziel ist die Erweiterung des Sortiments in den Nonfood-Bereich. Bei dem neuen Shop-in-Shop-System handelt es sich um einen ersten Testlauf. Sollte das Modell erfolgreich sein, könnte es auf weitere Filialen ausgeweitet werden. Das Sortiment der Bio Company umfasst je nach Filiale bereits bis zu 10.000 Produkte mit Schwerpunkt auf regionaler Erzeugung. Bei der Belieferung kooperiert das Unternehmen seit September 2025 mit der Liefer-App Wolt.
Stabile Entwicklung bei regionalen Anbietern
Ebl-Naturkost aus Fürth erweiterte sein Netz um einen Standort auf 32 Filialen und festigt damit seine starke Position in Franken. Das 1994 von Gerhard Bickel gegründete Handelsunternehmen setzt auf ein Bio-Fachmarktkonzept, ergänzt um integrierte Bio-Bäckereien mit Cafébetrieb.
Voll Corner Biomarkt in München belegt Platz 7, wächst um einen Standort und betreibt zum 1. Januar 2026 insgesamt 21 Filialen. Das seit 1988 aktive Familienunternehmen punktet mit einem Sortiment von bis zu 10.000 Bio-Produkten und einem klaren Fokus auf regionale Erzeugnisse sowie direkter Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten.
Konsolidierungsdruck und Generationswechsel
Nicht alle Akteure konnten ihr Standortportfolio erweitern. Aleco verkleinerte sein Netz von 28 auf 26 Filialen. Die seit über 30 Jahren etablierte Bio-Fachhandelskette ist in Bremen und Niedersachsen präsent.
Auch Super Bio Markt reduzierte seine Filialzahl – von 25 auf 23 Standorte. Beim Münsteraner Familienunternehmen geht diese Anpassung einher mit einem Generationswechsel: Zum Jahreswechsel 2025/2026 übernahm Luca Radau als alleiniger Vorstand die Geschäftsführung, während Gründer Michael Radau nach über 40 Jahren operativer Tätigkeit in den Aufsichtsrat wechselte.
Diese Übergabe markiert einen strategischen Neustart für die 1973 gegründete Kette, die sich nach abgeschlossener Restrukturierung im Jahr 2023 auf ihre Kernregionen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen konzentriert. Die Märkte führen mehr als 8.000 Bio-Produkte im Sortiment und stehen für das Motto, das schon Michael Radau prägte: Bio einer größeren Käuferschaft näherbringen und eine große Auswahl in moderner Supermarktatmosphäre erlebbar machen.
Stabile Nischenanbieter mit klarem Profil
Erdkorn, Vorwerk Podemus und LPG Biomarkt halten ihre Positionen im Ranking mit jeweils 14, 11 und 10 Filialen stabil. Erdkorn ist mit seinen Filialen im norddeutschen Raum präsent. Seit der Eröffnung der ersten Filiale im Hamburger Grindelviertel 2001 hat sich das Unternehmen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen etabliert.
Vorwerk Podemus nimmt als einziger Bio-Hof in Deutschland mit eigener Bioladen-Kette eine Sonderstellung ein. Das 1991 gegründete Familienunternehmen verbindet Produktion, Verarbeitung und Vermarktung: Von der eigenen Hoffleischerei und Hofmolkerei über Felder und Wiesen bis hin zu den Biomärkten in Dresden, Coswig, Radebeul, Freiberg, Bautzen und Pirna bleibt die gesamte Wertschöpfung in einer Hand.
LPG Biomarkt konzentriert sich mit seinen 10 Filialen auf den Berliner Raum. Das Mitgliedschaftsmodell, das besonders umfangreiche Sortiment von rund 18.000 Bio-Produkten und der Fokus auf regionale Waren aus einem Umkreis von 200 Kilometern um Berlin zeichnen das Unternehmen aus. Der Name LPG steht für „Lecker, preiswert und gesund“.
Nach Jahren der Expansion tritt die Branche in eine Phase der Konsolidierung und strategischen Neuausrichtung ein. Während Marktführer wie Alnatura weiter in Infrastruktur und Flächenwachstum investieren und Dennree auf Immobilieneigentum setzt, wählen mittelgroße Anbieter zunehmend den Weg der Kooperation. Gleichzeitig fokussieren spezialisierte und regional verankerte Konzepte auf Differenzierung und Innovation, ob vertikale Integration wie bei Vorwerk Podemus, Regionalität wie bei Voll Corner Biomarkt und LPG Biomarkt oder innovative Shop-in-Shop-Systeme wie bei Bio Company.
Weitere Informationen zum deutschen Bio-Markt finden Sie auf unserer Branchenseite „Reform- und Biomärkte“. Eine detaillierte Übersicht über die verschiedenen Bio-Supermarktbetreiber in Deutschland und eine Langzeitreihe zur Entwicklung ihrer Filialzahlen erhalten Sie in der Statistik „Ranking der größten Bio-Supermarktketten in Deutschland nach Anzahl der Filialen in den Jahren 2020 bis 2026“.




