Entwicklung der Filialzahlen von Tegut seit der Übernahme durch die Migros: Konsolidierung, Expansion und Ende einer Ära

Entwicklung der Filialzahlen von Tegut seit

Erklärtext

Seit der Übernahme durch die Migros Zürich im Jahr 2013 durchlief die Lebensmittelkette Tegut eine wechselvolle Entwicklung. Von ursprünglich 280 Filialen zum Zeitpunkt des Kaufs wuchs das Filialnetz auf 349 Standorte im Jahr 2024, bis Ende 2025 wurde es auf 302 Märkte reduziert. Die Entwicklung zeigt, wie nach einer Phase der Modernisierung eine ambitionierte Expansion in wirtschaftlich schwierige Fahrwasser geriet.

Qualität vor Quantität: Revitalisierung nach der Übernahme (2013–2019)

Als die Migros Zürich Tegut zum 1. Januar 2013 übernahm, lag der Fokus zunächst auf Modernisierungsmaßnahmen. In den ersten Jahren nach der Übernahme stagnierte die Filialzahl: Während 2013 noch 280 Märkte betrieben wurden, sank die Zahl durch Schließungen unrentabler Standorte bis 2016 auf 272.

Treiber dieser Phase war ein umfassendes Revitalisierungsprogramm, bei dem jährlich rund 30 Standorte modernisiert wurden. Gleichzeitig schärfte Tegut sein Profil durch einen konsequenten Bio-Fokus (über 25 Prozent Umsatzanteil) und die Integration von Migros-Eigenmarken. Erst ab 2017 wurde ein Expansionskurs verfolgt, unter anderem durch die Partnerschaft mit Amazon und erste neue Standorte in Süddeutschland.

Expansionspeak und wirtschaftlicher Druck (2020–2025)

Zwischen 2020 und 2024 forcierte Tegut das Wachstum massiv. Die Zahl der Verkaufsstellen stieg in diesem Zeitraum von 283 auf 349. Wesentliche Faktoren waren:

- der Roll-out des unbemannten Kleinfilialkonzepts „Teo“ ab 2020,
- die Erschließung neuer Märkte in den Großräumen Stuttgart und München,
- die Übernahme von 19 Basic-Bio-Supermärkten Ende 2023, die 2024 erstmals voll konsolidiert wurden.

Trotz des Filialwachstums verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage. Laut dem Finanzbericht der Genossenschaft Migros Zürich führten die allgemeine Konsumentenstimmung und massive Wechselkursverluste (allein 2025 rund 20 Millionen Schweizer Franken durch die Euro-Schwäche) zu erheblichen Umsatzrückgängen. Per Ende 2025 wurde das Netz bereits auf 302 Standorte bereinigt – ein Minus von 47 Verkaufsstellen im Vergleich zum Vorjahr.

Der strategische Rückzug (2026)

Im März 2026 zog die Migros die Konsequenz aus der anhaltenden Negativentwicklung und gab den Verkauf von Tegut bekannt.

Edeka hat die beabsichtigte Übernahme von rund 200 Filialen sowie der 41 autonomen „Teo“-Märkte beim Bundeskartellamt angemeldet. Der Deal umfasst zudem das 2023 eröffnete Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger Bäckerei sowie die Zentrale in Fulda.

Ausblick: Das Ende der Marke Tegut

Mit dem Verkauf an Edeka wird die Marke Tegut aufgegeben. Während für den Großteil der Standorte eine Genehmigung durch das Kartellamt erwartet wird, sofern Edeka regional keine Marktanteile von über 40 Prozent erreicht, bleibt die Zukunft der restlichen Märkte offen. Für diese haben laut Lebensmittelzeitung auch Wettbewerber wie Rewe und Aldi Nord Interesse signalisiert.

Weitere Informationen zu Tegut finden Sie in unserem Unternehmensporträt. Die wichtigsten Statistiken zu Tegut haben wir in einem Dossier zusammengestellt.