Handelslogistik allgemein

Handelslogistik 2036

Wie könnte die Handelslogistik im Jahr 2036 aussehen? Die Szenario-Studie „Die Zukunft der Handelslogistik“ untersucht Schlüsselfaktoren, die von Weltwirtschaft und Konsum über Klima, Energie und Regulierung bis hin zu Künstlicher Intelligenz, Daten, Arbeitskräften, Automatisierung und Kreislaufwirtschaft reichen. Aus ihrer möglichen Entwicklung leitet die Studie neun Zukunftsszenarien ab. Sie sind keine Prognosen, sondern Zukunftsräume, in denen Unternehmen strategische Entscheidungen unter unterschiedlichen Bedingungen prüfen können.

Wettbewerbsfähigkeit

Eine zentrale strategische Linie betrifft die Organisation der Wertschöpfungskette. Künftig kann die Steuerungsfunktion stärker beim Handelsunternehmen, bei Logistikdienstleister:innen oder bei spezialisierten Netzwerken liegen. Die Bandbreite reicht von einer Vielzahl spezialisierter Akteur:innen bis zu stärker gebündelten Strukturen. Damit verschieben sich auch die Anforderungen an Partnerschaften, Verantwortlichkeiten und Investitionen.

Daten, Technologie, Kapazitäten und Resilienz

Daten und technische Systeme können zu einem entscheidenden Engpass werden. Ob Künstliche Intelligenz ihre Wirkung entfalten kann, hängt von klaren Verantwortlichkeiten, der Vernetzung von Systemen, dem Zugang zu belastbaren Daten und der digitalen Souveränität ab. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Kapazitäten und Kosten. Auftragsabwicklung, Standortentscheidungen und Transport müssen stärker an Kundenanforderungen und möglichen Störungen ausgerichtet werden. Unternehmen stehen damit vor einem dauerhaften Zielkonflikt zwischen niedrigen Kosten, ausreichender Kapazität und dem gewünschten Servicegrad. Resilienz wird zu einer eigenständigen Investitionsentscheidung: Belastbare Netzwerke, Transparenz und regionale Absicherung erfordern Vorsorge, können bei Störungen jedoch die Handlungsfähigkeit sichern.

Kundenanforderungen

Auch veränderte Kundenanforderungen und Einkaufsgewohnheiten wirken unmittelbar auf Handelsformen und Logistik. Die stärkere Verbindung von stationären Verkaufsstellen, digitalen Angeboten und der Endkundenlogistik kann zu hybriden Konsumräumen führen, in denen Kund:innen nicht nur Angebote nutzen, sondern sich aktiv an Auswahl, Bestellung und Versorgung beteiligen.

Neun Szenarien zeigen unterschiedliche Zukunftsräume

Die neun Szenarien bilden ein breites Spektrum möglicher Entwicklungen ab. Es reicht von „Gebremster Innovation“, „Automatisiertem Handel“ und „Reguliertem Wettbewerb“ bis zu „Vertikalen Händlern“, „Dominanten Logistikern“, der „Hybriden Konsumwelt“, der „Virtuellen Erlebniswelt“, „Stationären Ankern“ und „Regionalen Kreisläufen“. In der Bewertung der erwarteten Zukunft erreichen „Stationäre Anker“ mit 62 Punkten und die „Virtuelle Erlebniswelt“ mit 61 Punkten die höchsten Werte. Es folgen „Dominante Logistiker“ und „Hybride Konsumwelt“ mit jeweils 58 Punkten.

Die Erwartungen folgen keiner einheitlichen Digitalisierungslogik. Neben digitalen Erlebniswelten und Plattformmodellen werden auch stationäre Kundennähe, regionale Wertschöpfung und widerstandsfähige Netzwerke als wichtige Bestandteile der Zukunft gesehen. Erwartet wird eine stärker integrierte, technologiegestützte und kundennah organisierte Handelslogistik, die unterschiedliche Formen der Versorgung verbindet. Für die strategische Planung sollten Unternehmen prüfen, welche Fähigkeiten, Partnerstrukturen, Standorte, Kapazitäten und technischen Grundlagen in mehreren Zukunftsbildern relevant sind. Dazu gehören der Ausbau digitaler und organisatorischer Fähigkeiten, die Verbindung stationärer und digitaler Angebote, belastbare Netzwerke und anpassungsfähige Investitionen. Die Szenarien helfen dabei, Entscheidungen an mehreren erwarteten Entwicklungslinien bis 2036 auszurichten.

Studie

Die Studie  „Die Zukunft der Handelslogistik“ wurde vom EHI in Kooperation mit dem Methodenpartner ScMI AG entwickelt. Sie richtet sich an Unternehmen aus Handel und Logistik und soll sie bei langfristiger Orientierung, Investitionsentscheidungen und der Entwicklung robuster Strategien unterstützen.
Die Ergebnisse der EHI-Szenariostudie „Die Zukunft der Handelslogistik“ unterstützten Handelsunternehmen, Logistikdienstleister und Technologieanbieter bei der strategischen Einordnung zukünftiger Entwicklungen und sind im kostenlosen Download verfügbar.
Ein zusätzlicher, kostenpflichtiger Datenband – Die Zukunft der Handelslogistik 2036 – Datenband (PDF) – ist für EHI-Mitglieder ebenfalls kostenlos. Er stellt ausführlich Einflussfaktoren, Zukunftsprojektionen und Wirkungszusammenhänge dar, dokumentiert die Entwicklung und Bewertung von neun Szenarien und enthält dezidierte Stakeholderanalysen zu den Chancen, Risiken, Handlungsoptionen und Einflussmöglichkeiten. Der Datenband ist eine vertiefende analytische Ergänzung und unterstützt Handelsunternehmen, Logistikdienstleister und Technologieanbieter bei der strategischen Einordnung zukünftiger Entwicklungen.

Methodik

Im Frühjahr 2026 wurde mit einem 30-köpfigen Konsortium aus Handelsunternehmen, Technologieanbietern und Hochschulen sowie einem externen Methodenpartner untersucht, wie sich die Handelslogistik in den kommenden zehn Jahren entwickeln könnte. Grundlage war eine Szenarioanalyse, in der zentrale Einflussfaktoren identifiziert, ihre Wechselwirkungen analysiert und daraus neun plausible Zukunftsbilder entwickelt wurden.

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