Daten & Fakten zu Armut
Armut wird in Deutschland im Regelfall relativ definiert. Als Maßstab wird zumeist das Medianeinkommen herangezogen. Das Meridianeinkommen ist jenes Einkommen, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt. Es ist nicht identisch mit dem Durchschnittseinkommen auf Basis des arithmetischen Mittels. In Deutschland werden Menschen mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens als arm bezeichnet.
Bei der
Berechnung von Armut wird auch die Haushaltsgröße berücksichtigt. Für größere Familien wird ein höheres Einkommen als Armutsgrenze veranschlagt. Nach der 60-Prozent-Grenze ist eine Familie mit zwei Kindern in Deutschland arm, wenn sie ein Einkommen von weniger als 1.640,- Euro zur Verfügung hat. Bei einem Haushalt mit fünf Personen sinkt die Armutsgrenze auf 2.031,- Euro, ein dreiköpfiger Haushalt gilt dagegen erst bei einem Einkommen unter 1.406,- Euro als arm. In Deutschland galten 2008 nach dieser
Definition mehr als 14 Prozent der Bevölkerung als arm. Besonders hoch ist die Armut in Ostdeutschland und in Großstädten. In den zehn westdeutschen Bundesländern gelten etwa 13 Prozent der Bevölkerung als arm, in Ostdeutschland einschließlich Berlin sind es dagegen fast 20 Prozent.
Häufiger von Armut betroffen sind Jüngere. Bei Kindern bis zehn Jahre lag die Armutsgefährdungsquote 2006 bei mehr als 16 Prozent, bei elf- bis 20-Jährigen bei knapp 19 Prozent und bei 21 bis 30-Jährigen sogar bei mehr als 19 Prozent. Am niedrigsten war die Armutsgefährdungsquote bei den 61 bis 70 Jährigen mit 8,9 Prozent. In Deutschland reduzieren
Sozialtransfers die Armutsgefährdungsquote.
Autor: Tilman Weigel